„Das Mission Statement hängt im Office und ist von allen mit Blut unterschrieben“

Es ist immer wieder erstaunlich, wie Räume sich wandeln können. Vor einer Woche noch 80er-Disco im Rahmen einer feucht fröhlichen Festivität, deren Zeuge ich sein durfte, war der Clubraum in der Karlsruher Stadthalle plötzlich wieder ganz seiner eigentlichen Funktionalität zugeführt worden. Es war wieder Social Media Night. Leider konnte ich mich nicht mit Popcorn und Kirschbier zurücklehnen, dösen und in Erinnerungen schwelgen. Ich musste einem ernsteren Geschäft nachgehen. Also twitterte ich, wie es mein Auftrag gewesen war, während die Kolleginnen aufmerksam meinem Chef lauschten, der über Social Media und Stadtmarketing sprach. Meine Kollegin Franziska hat im Stadtmarketeam-Blog das Wesentliche des Abends fest gehalten. Ihrem Beitrag gibt es „im Prinzip“ nichts hinzuzufügen, zumal ich ja die ganze Zeit mit Twittern beschäftigt war.

Die Präsentation.

Das Interview.

Daddy Cool.
Ach ja, Frank Tentler hat auch noch was über unser Projekt geschrieben, von ihm stammt übrigens auch mein schmuckes Titelzitat.

Die Mottenkiste.
Doch vor langer langer Zeit, es muss im Sommer gewesen sein, hatte ich einen kleineren Beitrag geschrieben, der jedoch später wieder in Vergessenheit geriet. Jetzt scheint mir der richtige Zeitpunkt, in Erinnerungen zu schwelgen und den bereits verloren geglaubten Beitrag aus der elektronischen Mottenkiste zu holen. Grundsätzlich würde ich den damaligen Artikel auch heute noch unterschreiben:

Warum „Social“ Stadtmarketing so kompliziert ist.
Der erste Schritt ist gemacht. Seit 2010 gibt es eine „Karlsruhe“-Fanseite auf Facebook, zeitgleich startete der Twitter-Kanal des Stadtmarketings. Seit ein paar Monaten haben wir unsere Aktivitäten im SocialWeb deutlich erweitert. „Social“ Stadtmarketing ist nicht die Übersetzung der klassischen PR-Arbeit ins SocialWeb. Im SocialWeb ist das Stadtmarketing Teil einer neuen Kommunikationskultur, die sich in dynamischen Öffentlichkeiten zeigt und nach eigenen Regeln funktioniert. Dieser Ansatz bietet uns viele neue Möglichkeiten, hat aber für ein städtisches Unternehmen auch seine Grenzen. Um unser Vorgehen zu verstehen, ist es wichtig, die Rahmenbedingungen zu kennen, unter den wir arbeiten.

„Diese Form des Meinungs­­aus­tauschs ist für uns neu und unerprobt.“
Seitens der Bürgerinnen und Bürger gibt es ein großes Interesse und einen Bedarf am direkten Dialog mit der Stadt. Erwartet wird Transparenz, Sachkompetenz und zeitnahe Interaktion. Das trifft insbesondere auf die Gruppe der sogenannten „modernen Performer“ zu, also rund 10 % der Gesamtbevölkerung, die zur Effizienz-orientierten Leistungselite zählt, global denkt und über relativ hohe IT-Kompetenz verfügt.

Dagegen steht im städtischen Kontext die Unerfahrenheit, wie dieser Erwartungshaltung zu begegnen ist. Zumindest im deutschsprachigen Raum gibt es kaum Modelle, Erfahrungen oder Best Practice-Beispiele aus dem öffentlichen Sektor im Umgang mit den dort so genannten „Neuen Medien“. Dazu kommt der Generationsunterschied, der an der unterschiedlichen Medienaffinität und Nutzungsprofilen der verschiedenen Altersgruppen sichtbar wird. Außerdem liegt die „Kernarbeitszeit“ bei städtischen Unternehmen zwischen 9 Uhr morgens und 5 Uhr nachmittags. Soziale Netzwerke haben nie Feierabend.

Das Stadtmarketing ist zwar eine städtische Gesellschaft, konnte im Gegensatz dazu bisher jedoch relativ frei agieren. Für uns ist SocialMedia ein großes Experimentierfeld, das sich täglich verändert und neue Möglichkeiten bietet. Manches funktioniert sehr gut, Anderes nicht so gut. Ein gutes Beispiel ist unsere Facebook-Präsenz. Die „Karlsruhe“-Fanseite auf Facebook ist seit über zwei Jahren organisch gewachsen und hat inzwischen eine Gemeinde von über 16.000 Fans [inzwischen sind es über 17.000!], darunter sind 1000 Leute, die täglich über uns sprechen. Eine geschlossene Facebook-Gruppe mit Mitgliedern aus Karlsruhe bietet uns die Möglichkeit zum fachlichen Austausch rund ums SocialWeb und regionale Themen. Ein von uns angestoßenes offline-Treffen hob den online-Kontakt und die Zusammenarbeit auf eine andere, menschlichere Ebene.

Sehr stark verändert hat sich unsere Präsenz auf Twitter. Bis April haben wir in der Regel täglich zwei Tweets zu Wirtschafts- und Wissenschaftsthemen abgesetzt: einen vormittags, einen nachmittags. Twitter wurde als Teil der klassischen, monologisch ausgerichteten Pressearbeit verstanden. Bei uns galt deshalb die Regel: Alles, was nach außen geht, muss vorher von der Presseleitung und gegebenenfalls von der Geschäftsführung freigegeben werden. Nach der Umstellung haben wir unser Themenspektrum erweitert und die tägliche Schlagzahl erhöht. Wir twittern nun deutlich persönlicher. Da wir einen „Shared Account“ haben, der von mehreren Mitarbeitern bespielt wird, nutzen wir bei persönlichen Kommentaren und Einschätzungen unsere Initialen. Dadurch erhöhte sich unsere Followergemeinde. Aber was viel wichtiger ist: Wir sind seitdem viel stärker im Dialog.

Warum wir bloggen.
Wir sind im SocialWeb angekommen. Uns gefällt es hier und wir werden bleiben. Für Standortmarketing ist das SocialWeb ideal. Die regionale Community ist groß und sehr vielschichtig, gut vernetzt und interessiert an ihrer Stadt. „Social“ Stadtmarketing ist eine Möglichkeit, direkter zu interagieren. Seine Zielgruppe lernt man am besten kennen, wenn man ihr zuhört und mit ihr spricht. Zusätzlich verändert die stärkere Aktivität im Social Web auch unsere interne Kommunikation. Es gibt zwar noch keinen Community-Manager, aber ein eigenes SocialWeb-Team, neue SocialMedia-Guidelines für alle Mitarbeiter und einen gemeinsamen, übergreifenden SocialMedia-Redaktionsplan, der in einer monatlichen Redaktionssitzung erstellt wird.

Nun ist es an der Zeit, den nächsten Schritt zu machen. In einem Weblog werden wir einen Einblick in unsere Projektarbeit geben und aktuelle Themen aus unserer Sicht kommentieren. Ein gutes Blog ist viel Arbeit, die sich aus unserer Sicht aber lohnt. Ein Blog gibt uns die Möglichkeit, mehr zu sein als ein interaktiver Event-Kalender oder eine Echtzeit-Eventbegleitung. Es ermöglicht uns, Hintergrund-Infos zu liefern und die Vielfalt Karlsruhes aus unserer persönlichen Sicht darzustellen. Im Hintergrund steht eine Frage, die wir oft zu hören bekommen: „Was macht ihr beim Stadtmarketing eigentlich?“ Jeder Beitrag sollte auf seine Weise eine Antwort auf diese Frage liefern. Getreu dem Motto „The brand is your friend“ werden wir versuchen, Stadtmarketing mit Leben zu füllen und von seiner menschlichen Seite zu zeigen. Denn wir sind keine „Mad Men“. Wir wollen nichts verkaufen, sondern die Identifizierung mit der Stadt stärken und sie überregional besser sichtbar machen. Karlsruhe hat aus unserer Sicht sehr viel Potential. Vielleicht mögen manche nicht die Marke, aber die Menschen dahinter. (cf)

 

Über Christoph Funk

Christoph Funk, geboren in Karl-Marx-Stadt.
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