Arbeit am Stadtbild. Wo sich Stadtplanung und Stadtmarketing ergänzen

Wie kaum eine andere Stadt hat sich die Planstadt Karlsruhe im Laufe ihrer 300jährigen Geschichte durch zahlreiche Stadtumbauprojekte stets neu erfunden. Im Stadtmuseum zeigt derzeit eine Ausstellung zum „Räumlichen Leitbild 2015“ Chancen und Perspektiven für die zukünftige Planung der Planstadt. Zehn Leitfragen, die im Rahmen einer Voruntersuchung erarbeitet wurden, veranschaulichen die räumlichen Zukunftsoptionen Karlsruhes. Indem die Ausstellung „Die Stadt neu sehen“ räumliche Strategien der Stadtplaner konkretisiert, verdeutlicht sie indirekt auch, wo über die physische Planung hinaus Ansatzpunkte für „weiche“ Strategien der Stadtentwicklung liegen. Gebautes Stadtbild und Branding, also die Bildung einer unverwechselbaren Stadtmarke, sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Beide tragen wesentlich dazu bei, Identität und imaginierte Einheit einer Stadt zu organisieren.
      

Was ist das Räumliche Leitbild 2015?
Karlsruhe ist eine wachsende und prosperierende Stadt. Traditionell ist es die Aufgabe der Stadtplanung, Raum für die Kräfte dieses Wachstums zu schaffen, also die Attraktivität der Stadt als Wohn-, Arbeits- und Forschungsstandort weiterzuentwickeln. Aus den programmatischen Vorgaben des „Integrierten Stadtenwicklungskonzept 2020“ (ISEK) werden bis zum 300. Stadtgeburtstag 2015 konkrete räumliche Strategien abgeleitet. Das räumliche Leitbild 2015 schafft „ein übergeordnetes stadtplanerisches Gesamtbild, das die vorhandenen Planungen bündelt und ein gemeinsames Bild für die städtebauliche Entwicklung der Stadt über die ‚Planung von Projekten‘ hinaus darstellt“ (aus: ISEK 2020). Ziel ist es laut ISEK 2020, auf Basis von strategischen Entwicklungszielen, thematischen Planungen und dem integrierten Stadtentwicklungskonzept stadträumliche Formulierungen zu finden, die die Qualitäten von Karlsruhe sichtbar machen und weiterentwickeln.

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Planung als gemeinsamer Entwicklungsprozess
Die Ausstellung „Die Stadt neu sehen“ bildet eine Kommunikationsplattform für den weiteren Prozess der Entwicklung des Räumlichen Leitbildes 2015. Im Rahmen einer Voruntersuchung wurden zehn Fragen an Karlsruhe formuliert, die als Denkanstöße für den weiteren Prozess dienen sollen. Gemeinsam mit der aufwendigen Gestaltung der Präsentation im Stadtmuseum vertieft das Begleitprogramm mit Impulsvorträgen verschiedener Akteure einzelne Fragestellungen. Der Fotowettbewerb „Pic your City“ soll über die Frage nach dem „Style“ Karlsruhes zusätzlich jüngere Zielgruppen aktivieren. Ende 2013 startet dann eine Planungswerkstatt, um konkrete Szenarien zum Räumlichen Leitbild zu entwickeln. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2014 öffentlich präsentiert und diskutiert. Im Jubiläumsjahr 2015 wird das Leitbild Thema einer „Stadtausstellung“ mit umfangreichem Begleitprogramm.

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Stadtentwicklung und Markenbildung – Stadtjubiläum 2015
Ungeachtet der konkreten Inhalte der Leitfragen, von denen sich im Stadtmuseum jeder selbst ein Bild machen kann, möchte ich auf die Parallelen des Prozesses zur Entwicklung des räumlichen Leitbildes mit den Planungen zum Stadtjubiläum 2015 hinweisen. Nicht nur die zeitliche Ausrichtung des Entwicklungsprozesses des Leitbildes auf das Jahr 2015, vor allem die verschiedenen Beteiligungsaspekte und vor allem die Programmatik, bestehende Potentiale zu bündeln und daraus ein übergreifendes Gesamtbild zu entwickeln, das Qualitäten von Karlsruhe sichtbar macht und weiter entwickelt, decken sich mit dem Vorhaben des Stadtmarketings, das Stadtjubiläum 2015 als Chance für die Neupositionierung Karlsruhes zu nutzen. Der seit 2009 laufende Vorbereitungsprozess zum Jubiläum wird vom Stadtmarketing als strategischer Markenbildungsprozess begriffen, auf den ich im Detail an dieser Stelle nicht eingehen möchte. Kurz gesagt beabsichtigt die Inszenierung des „Wegs zum Stadtjubiläum“ mit den Stadtgeburtstagen 2011 und 2013 als großen Meilensteinen eine „Verführung durch das Projekt“ und bedient sich „weicher“ Strategien der Kooperation, Verhandlung und Koordination. Indem verschiedene Akteure die Chance erhalten, ihre Interessen einzubringen sollen Begeisterung geweckt und vorhandene Potentiale in der Stadt gebündelt und mobilisiert werden. Das Stadtjubiläum 2015 ist damit mehr als ein Fest. Der Versuch, im Verlauf des Jubiläumsprozesses Denk- und Verhaltensweisen zu ändern und das Zielen auf Werte, Einstellungen und Mentalitäten ist gewissermaßen die pädagogische Seite der Planung.

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Das Großereignis „Stadtjubiläum 2015“ soll gleichsam die Statistiken des Amtes für Stadtentwicklung, die Karlsruhe als prosperierende und attraktive Stadt mit hoher Lebensqualität ausweisen, mit einer Erzählung versehen und in ein konkretes Erlebnis übersetzen. Mit dem Großereignis werden nicht nur nach außen gerichtete Ziele verbunden, also der Stadt ein neues Image zu geben und dieses überregional zu kommunizieren. Mit Häußermann, Läpple und Siebel („Stadtpolitik“, edition suhrkamp, 2008) kann man auch von einer „Reinszenierung“ städtischer Politik sprechen. Die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt und mit ihrer Stadtpolitik kann erhöht werden durch ein Gemeinschaftsgefühl, das erzeugt wird, die Stadt kann sich als kohärenter und handlungsfähiger Akteur inszenieren und damit zumindest für gewisse Zeit heterogene Interessen bündeln und wachsende Differenzen überbrücken.

Umso beklagenswerter ist es, dass auf den verschiedenen Medien der Ausstellung in keinster Weise Bezug auf das visuelle Erscheinungsbild der Stadt und des Stadtjubiläums genommen wird. Weder Prismen noch das Logo „KA 2015“ finden im Flyer oder im Katalog Verwendung, so dass der Bezug des „Räumlichen Leitbildes 2015“ zum Stadtjubiläum 2015 leider relativ unklar bleibt.

Die Ausstellung läuft noch bis 27. Oktober 2013.

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Über Christoph Funk

Christoph Funk, geboren in Karl-Marx-Stadt.
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