Meine Woche als Markenbotschafter. Oder: Die Gonzoisierung des Stadtmarketings.

Mit „Rotation Curation“ Twitter Kanälen ist es wie mit dem Tatort. Beinah jede Stadt über 100.000 Einwohner, die etwas auf sich hält, hat inzwischen einen Twitter-Kanal, auf dem jede Woche ein anderer Twitterato seine Heimat repräsentiert. @MunichLovesU, @WeAreFFM, @I_amGermany, @WeAreHH usf. Vergangene Woche war ich Baden-Württemberg. Sieben Tage lang saß ich bei @IchbinBW am Drücker und durfte Karlsruhe und Baden-Württemberg vertreten. 

ichbinbw-Screenshot

Über die Gonzoisierung des Public Marketings
Aus irgend einem lustigen Zufall hatte sich die Stuttgarter Zeitung entschlossen, genau in meiner Woche ein Interview zu @ichbinBW zu führen. Ich wurde also angerufen und habe brav meine Fragen beantwortet. Die unvermeidliche „Warum?“-Frage durfte natürlich nicht ausbleiben. Ich habe so in etwa geantwortet, dass Kanäle wie @ichbinBW aus Sicht des professionellen „Public Marketeers“ ein Glücksfall seien. Menschen wie du und ich treten als Markenbotschafter ihrer Stadt oder ihrer Region auf. Aus Gründen rein emotionaler Verbundenheit liefern sie mit den Mitteln des Social Web einen authentischen und ganz persönlichen Blick auf ihre Stadt und Region. Wenn man in den richtigen Momenten immer die passenden Antworten parat hätte, dann wäre meine Replik gewesen, dass es sich mit dem Stadt- und Regionalmarketing verhält wie in dieser neuen Mercedes-Werbung: „Anders sein. Anders als alle Anderen. Sich abgrenzen von der Herde. Ein Ziel das viele verfolgen. Aber wie grenzt man sich ab, wenn sich jeder abgrenzen will?“ Was haben Städte und Regionen an die Stelle des wuchtigen Wagens zu setzen, der anschließend durch die karge Landschaft braust? Es ist schwierig, die immer gleiche Litanei lokaler Speisen, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen zu durchbrechen.

Eine für mich zunächst seltsame @-Reply eines gewissen „Doktor Kohl“ brachte mich auf eine Idee, wie dieser Teufelskreis aus Maultaschen, Spezialitätenrestaurants und Stadtrundgängen vielleicht nicht durchbrochen, aber wenigstens dialogisch aufgelockert werden könnte. Wie wäre es, wenn nicht der „Kurator“, sondern seine regionalen Follower entscheiden würden, was gezeigt werden soll? Twitter wäre das ideale Medium für diesen Versuch, aus dem Kurator einen Avatar der lokalen Bevölkerung zu machen.  Er folgt konkreten Handlungsanweisungen der Community, etwa „and today you go to Neckarwestheim“. Vorbild ist hier jene Berliner Avatar-Kneipe „Chez Icke“ von Gesine Danckwart: „Zu faul zum Rausgehen oder vielleicht gar nicht in der Stadt? Kein Problem! Wo immer du bist- aus dem Netz kannst du bei CHEZ ICKE dabei sein! … Damit du von zu Hause richtig mitkneipen kannst, performt im CHEZ ICKE der Barvatar! Er bewegt sich für dich durch das Nachtleben. Im Live-Stream kannst du verfolgen, was er macht, trinkt, redet -und mit wem…Dein Barvatar tanzt, diskutiert, trinkt – auf Anweisung – für dich.“

Hier der Link zum Artikel über @ichbinbw in der Stuttgarter Zeitung vom 11. März 2013.

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Über Christoph Funk

Christoph Funk, geboren in Karl-Marx-Stadt.
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