Eine Art Speeddating mit den Städten – Erste Blicke auf „Stadtaspekte“ Heft 01

Vor Monaten begegnete mir die beispielhafte Kampagne „Stadt um zehn„, mit der die Facebook-Gemeinde auf die Veröffentlichung des ersten Heftes der „Stadtaspekte“ eingeschworen wurde. Seit gestern ist „Stadtaspekte“ nun auf dem Zeitschriftenmarkt. Die Macher des Magazins setzen nicht nur auf Crowdfunding, sondern beziehen auch den Crowdsourcing-Gedanken in die publizistische Arbeit ein. 

Die dritten Seiten der Städte
Die Nummer Eins einer neuen Zeitschrift ist vermutlich immer auch programmatisch zu verstehen. Wo positionieren sich die Herausgeber im Dickicht der Zeitschriftenlandschaft? Anders als die eher analytisch geprägten Platzhirsche ARCH+ oder POLIS schauen die Autoren nicht aus einer dezidiert architektonischen oder stadtplanerischen Perspektive auf das Urbane. Sichtbar werden soll „die dritte Seite der Stadt“. Doch wie ist das zu verstehen? Ähnlich wie in dem Wiener Magazin dérive oder in Der Wedding, denen die „Stadtaspekte“ aus meiner Sicht inhaltlich und konzeptionell sehr nahe stehen, geht es auf den ersten Blick darum, eine Form von „Stadtforschung“ zu kultivieren, die stärker ethnologisch und soziologisch geprägt ist.

Die Artikel sind meist aus der Perspektive des Flaneurs geschrieben. Zufall und Oberflächlichkeiten der Städte wird viel Raum gegeben. Was den Schilderungen urbaner Lebenswelt an Distanz fehlt, gleichen sie durch dichte Beschreibung städtischer Eigenlogiken aus, von Mumbai über Detroit und Toronto bis hin zu Kaiserslautern, „der merkwürdigen Stadt in Südwestdeutschland“. Gezeichnet werden Stadtbilder, was der im Editorial angestellte Vergleich der Zeitschrift mit einer kuratierten Ausstellung unterstreicht.

Wie üblich ist die Zeitschrift sehr hochwertig gestaltet, das Layout überzeugt durch eine kühle und unaufdringliche Sparsamkeit. Für den Liebhaber des bedruckten Papiers rechtfertigt dies den außerordentlichen Kraftakt, den es gekostet haben muss, diese erste Ausgabe schließlich in den Händen halten zu können. Ich bin gespannt auf das nächste Heft.

Hier gehts zum Interview von Geschäftsführerin Carolin Genz und Chefredakteur Sven Stienen mit LabKultur.tv

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Über Christoph Funk

Christoph Funk, geboren in Karl-Marx-Stadt.
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