Bürgerbeteiligung live. Stadtteilprojekte zum Stadtjubiläum 2015

Bürgerbeteiligung ist Arbeit an der Basis. Besonders deutlich wird das bei den Stadtteilprojekten zum Karlsruher Stadtjubiläum. Zum Jubiläum soll jeder Stadtteil selbstständig Projekte entwickeln und umsetzen. Je nach Einwohnerzahl steht dafür ein Budget von 2 Euro pro Einwohner zur Verfügung. Die Projekte sollen die Vielfalt der Stadt im Jubiläumsjahr zur Geltung bringen und nachhaltig zur Bildung einer neuen Stadtidentität beitragen. Das Stadtmarketing als Veranstalter des Stadtjubiläums kann dazu auf die gewachsenen Strukturen und Netzwerke in den Bürgervereinen und Ortsverwaltungen vor Ort zurückgreifen. Da wir gerade von der ersten Planungsphase zur Ideensammlung innerhalb der Stadtteile übergehen, möchte ich kurz auf einige der Herausforderungen eingehen, welche die Koordination dieser Form der Beteiligung mit sich bringt.

Datei:Karlsruhe subdivisions.svg

Aus Erfahrungen lernen: RUHR.2010 und Kassel 1100
Stadtteilprojekte zum Karlsruher Stadtjubiläum auf die Straße zu bringen, das heißt in 27 Stadtteilen mit jeweils individueller Struktur und Geschichte gemeinsam mit 25 Bürgervereinen und 7 Ortsverwaltungen möglichst „innovative“ Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Angesichts dieser Komplexität schadet es sicher nicht, sich umzuschauen, wie anderswo ähnliche Herausforderungen gemeistert wurden. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang die Erfahrungen mit Netzwerkmanagment und Willensbildung beim Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010. Wie Stadtteilprojekte bei einem Jubiläum konkret aussehen können, das zeigen die vielen Projekte, die nächstes Jahr beim Kasseler Stadtjubiläum Kassel 1100 stattfinden werden.

Zusammenkommen, Zusammenarbeiten – Zusammenbleiben?
Ähnlich wie RUHR.2010 lebt das Karlsruher Stadtjubiläum von der Zusammenarbeit mit Partnern und Netzwerken vor Ort. Diese zu festigen und weiter zu etablieren ist ein zentrales Anliegen des Jubiläumsjahrs. „Cultural Governance“, also Steuerungsaufgaben und Willensbildung innerhalb von Kooperationen, Netzwerken und bei der Zusammenarbeit mit Partnern sind ein wesentlicher Bestandteil von komplexen Projekten wie RUHR.2010 oder dem Karlsruher Stadtjubiläum. Seit Mitte November 2012 liegt ein Spezialheft zu Programm- und Projektemanagement beim Kulturhauptstadtjahr 2010 vor. Oliver Scheytt und Eckart Achauer liefern darin gemeinsam mit vielen Beteiligten eine unverzichtbare Synthese ihrer Erfahrungen bei der Organisation von RUHR.2010.

Die Erfahrungen aus dem Netzwerkmanagement bei RUHR.2010 lassen sich hinsichtlich der Stadtteilprojekte sehr gut auf das Karlsruher Stadtjubiläum übertragen: Der entscheidende Vorteil einer derart komplexen Kooperation, wie sie auch bei den Stadtteilprojekten in Karlsruhe angestrebt wird, ist die Realisierung der durchaus unterschiedlichen Ziele der Beteiligten, die sonst nicht oder nur mit sehr viel mehr zeitlichem, personellem und finanziellem Aufwand zu erreichen wären. Ein Stadtjubiläum nicht als zentralisiertes Ereignis zu feiern, sondern die gesamte Vielfalt der Stadt zur Geltung zu bringen, kann nur glaubwürdig realisiert werden, wenn diese Vielfalt an konkreten Projekten und Veranstaltungen sichtbar wird, die aus der Stadt selbst heraus entwickelt werden. Die Bürgervereine sind hierbei nicht nur ein wichtiger Multiplikator. Ohne die Bürgervereine und ihre „Expertise“ für die Befindlichkeiten des jeweiligen Stadtteils wäre es wahrscheinlich unmöglich, eine tatsächliche Beteiligung zu erzielen. Als zentrale Akteure haben sie ihrerseits ein Interesse daran, die eigene Vereinsarbeit mit Hilfe der Stadtteilprojekte zu beleben und so jüngere Menschen für das Engagement vor Ort zu begeistern. Eine damit einher gehende Herausforderung sind die umfangreichen Abstimmungsprozesse, Abhängigkeiten und das Einbüßen von Selbstständigkeit beim Veranstalter. Schließlich besteht wie bei allen Kooperationen die Gefahr, bei vergleichsweise großem Aufwand nur einen geringeren Mehrwert zu erzielen.

Auszug aus dem Ino-Flyer zu den Stadtteilprojekten

Einen ersten Vorgeschmack auf die Herausforderungen einer Koordination von 25 Bürgervereinen und 7 Ortschaftsräten mit ihren jeweils eigenen Befindlichkeiten gab mir die Herstellung eines Info-Flyers für die Stadtteilprojekte. Darin gibt es auch einen Teil, in dem die Stadtteile mit ihren eigenen Wappen und Kontaktadressen aufgeführt sind. Es kostete mich unzählige Korrekturen und Telefonate mit Beteiligten (das für Wappen zuständige Stadtplanungsamt, Bürgervereinsvertreter, Ortsvorstände), bis die heraldischen Gegebenheiten der einzelnen Stadtteile ordnungsgemäß Berücksichtigung finden konnten. Andererseits wird gerade an der Heraldik die Vielfalt und historische Verschiedenheit der unterschiedlichen Stadtteile besonders deutlich. Denn es gehört zu den Besonderheiten der jungen Stadt Karlsruhe, dass einzelne Stadtteile wie Durlach oder die ehemaligen Fischerdörfer am Rhein wesentlich älter sind, als die Kernstadt selbst. Stadtteilprojekte sind auch in dieser Hinsicht ein wichtiges Instrument, die zum Teil sehr emotional gepflegten Teil-Identitäten bei dem gesamtstädtischen Jubiläum zu berücksichtigen.

Entscheidend für den Erfolg einer Vernetzung sind indes letztlich immer die beteiligten Personen, denn auf ihrem Engagement und ihrer Sozialkompetenz basiert die Intensität und Stabilität der Zusammenarbeit. Sicherlich ist eine gewisse „Stadtteilehre“, also der Aspekt der sozialen Kontrolle innerhalb der Stadtteile auch ein wesentlicher Antrieb bei der erfolgreichen Umsetzung von Stadtteilprojekten. Wünschenswert wäre natürlich, durch die gemeinsame Umsetzung der Stadtteilprojekte stabile und lang anhaltende Partnerschaften zwischen den verschiedenen Akteuren zu etablieren.

Stadtteilprojekte – 1100 mal anders
Wie vielfältig Stadtteilprojekte bei einem Stadtjubiläum aussehen können, zeigen die Stadtteilprojekte beim Kasseler Stadtjubiläum Kassel 1100. Die Organisatoren des Kasseler Jubiläums hatten nicht das Glück, auf eine gewachsene und lebendige Vereinsstruktur zurückgreifen zu können. Stattdessen wurden „Stadtteilbotschafter“ benannt, um die Rolle von Multiplikatoren und Projekttreibern zu übernehmen. Aus dem Programm lässt sich die große Vielfalt an Projekten entnehmen, die von Ausstellungen, über Quartiersspaziergänge und Stadtteilfeste bis hin zu vielen kleineren Aktionen reicht. Eine Besonderheit des Kasseler Ansatzes ist es, dass jeder Stadtteil für jeweils zwei Wochen oder mehr mit seinem eigenen Programm im Fokus steht. An den sogenannten Übergabewochenenden geben sich die aufeinanderfolgenden Stadtteile den „Staffelstab“ – ein aus Holz geschnitztes „Gesicht Kassels“ – in die Hand. Dieser Staffelstab soll als Gemeinschaftsprojekt aller 23 Stadtteile im Laufe des Jubiläumsjahres 2013 entstehen – geschnitzt, gehobelt, bemalt.

In Karlsruhe beginnt ab Januar 2013 die Ideensammlung für Stadtteilprojekte, die im gesamten Jahr 2015 umgesetzt werden können. Im Herbst 2013 werden die Projektvorschläge auf Stadtteilworkshops diskutiert und Projekte zur Umsetzung ausgewählt. Weitere Infos dazu gibt es auf der Seite www.karlsruhe2015.de. Auf dieser Seite wird das Team2015 den weiteren Verlauf der Planungen und die Umsetzung dokumentieren. Ab Januar dürfen dort Projektideen auch öffentlich kommentiert und diskutiert werden. Ein Leitfaden in Form von FAQs findet sich ebenfalls auf der KA2015-Seite oder unter bit.ly/Stadtteilprojekte_KA2015.

Werbeanzeigen

Über Christoph Funk

Christoph Funk, geboren in Karl-Marx-Stadt.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, KA 2015 - 300 Jahre Karlsruhe abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s